An dieser Stelle werden in den kommenden Tagen unsere deutschen Crews täglich von der Weltmeisterschaft der Micro-Klasse in Castiglione del Lago berichten.

Weitere Informationen findet Ihr auf auf der offiziellen Webseite zur „Micro World Championship 2022“

Hier sind die aktuellen Ergebnisse (Stand 27.07.2022)

WM-Tagebuch Tag 7: Letzte Wettfahrten und Siegerehrung

Der letzte Tag der WM fing an, wie der vorherige Tag geendet hatte. Kein Wind, spiegelglatter See. Gegen Mittag kam dann aber Wind auf und so wurden wir erneut auf die Bahn geschickt. Bei schwachen Winden wurde noch drei Wettfahrten gesegelt. Wie auch schon am Tag der Langstrecke zog sich der Himmel mehr und mehr zu. Auf der Zielkreuz der letzten Wettfahrt war das Unheil schon wieder absehbar. Wir schafften es gerade noch durchs Ziel zu kommen, als uns die Böenwalze erfasste, die diesmal aber nicht ganz so stark war. Nach einem chaotischen Schlepp an Land brach dann die übliche Betriebsamkeit an Land am Ende einer Regatta aus. Slippen oder Kranen, Mast legen, verpacken… . Gegen Abend fand dann die Siegerehrung statt und danach dann das gemütliche Beisammensein als Ausklang der WM. Was bleibt als Fazit: Ein toller Ausrichter, der nichts für die Probleme seines Reviers (Wetter, Algen und Wasserstand) kann und es trotzdem geschafft hat eine gute WM zu organisieren. Starke polnische Segler, die das Feld fast nach Belieben im Griff hatten. Ein toller Klassenzusammenhalt, der aber unter unnötigen Regeldiskussionen gelitten hat.

Epilog: Nach 30 Stunden Rückfahrt ist die GER-222 wohlbehalten wieder in Norddeutschland angekommen. Die GER-89 hatte schon vorher wieder die süddeutsche Heimat erreicht.

WM-Tagebuch Tag 6: Kein Wind – Keine Wettfahrten

Nach dem gestrigen stürmischen Finale, wurden morgens überall die letzten Schäden beseitigt. Da die Wettervorhersage schon von Anfang an nichts Gutes ahnen ließ, wurde der erste Startversuch bereits auf 13 Uhr verschoben. Um 12 Uhr ging die Startverschiebungsfahne am Fahnenmast an Land hoch, sodass die komplette Flotte im Hafen blieb. Es begann ein nervenaufreibendes Warten in Hitze und Mücken, was erst um 17 Uhr mit dem endgültigen Abbruch aller Startversuche endete. Die an sich so tolle, gut organisierte und stimmungsvolle WM wird dabei weiterhin getrübt durch Diskussionen um die Vermessung der Vorsegel. Das ist sehr schade, zumal es um eine Problematik geht, die niemanden einen Vorteil bringt. Wir Deutschen lassen uns die Stimmung nicht vermiesen und genießen die mediterrane Atmosphäre, die tolle Landschaft und das gute Essen.

WM-Tagebuch Tag 5: Langstrecke

Mit repariertem Ruderkopf startete die GER-222 freudig in den Tag. Die auf 9 Uhr angesetzte Steuermannsbesprechung kündigte einen Kurs über den kompletten See von ca. 20 Seemeilen Länge an. Tatsächlich baute sich gegen 12 Uhr eine leichte Brise auf und das Feld ging auf die Reise. Nach einem guten Start konnten wir uns im vorderen Feld festsetzen. Kurz vor der ersten Rundungstonne blieben wir dann in einem Flautenloch stehen und verloren ein paar Plätze, konnten uns danach aber wieder ranarbeiten. Dieses Spiel wiederholte sich bei dem immer mehr abnehmenden Wind mehrmals, während sich am Horizont schon das Drama des weiteren Tages ankündigte. Aus blauem Himmel wurde erst grau dann violett. Weit entfernt war Donner zu hören, aber noch war alles ok, sodass wir uns der letzten Wendemarke näherten und nur noch ca. 5 Seemeilen unter Spi in Ziel fahren mussten. Wenige hundert Meter vor der Wendemarke erwischte uns dann die anziehende Windwalze. Innerhalb von ca. 5 Minuten nahm der Wind von 1BFT auf 6 Bft zu und es baute sich eine fiese hackige Kreuzsee auf. Wir schafften es noch gut um die Tonne, aber an das Ziehen des Spis war mit unserer noch nicht ausgehärteten Ruderanlage nicht zu denken. Um uns herum brach langsam das Chaos aus. Die Schiffe unter Spi fabrizierten reihenweise Sonnenschüsse, ein Schiff hinter uns blieb sogar mit dem Großsegel an der Wendemarke (hoher Holzstamm) hängen. Wie das so ist, waren zu dem Zeitpunkt schon die ersten im Ziel und bekamen davon kaum was mit. Wir wollten zu diesem Zeitpunkt nur noch ankommen und haben auf Sicherheit gesegelt. Sowohl die GER-222 als auch die GER-89 haben das gut hinbekommen, auch wenn dadurch die Platzierung mit Platz 25 und 27 nicht so gut war. Die Bilanz hinter im Hafen: Ein Mastbruch, zwei Ruderbrüche, mehrere zerfetzte Segel und aus dem Deck gebrochene Beschläge. Abends wurde wurden wir dann durch das Sailorsdinner mit Livemusik für den anstrengenden Tag entschädigt.

WM-Tagebuch Tag 4: Wettfahrten 3 und 4

Der Wetterbericht ließ von Anfang an nichts Gutes hoffen, weswegen der Start schon auf 14 Uhr verschoben wurde. Für die GER 222 begann der Tag schon mit einem Paukenschlag. Beim morgendlichen Routinecheck fiel auf, dass der Ruderkopf den Belastungen des Vortags nicht standgehalten hatte und gerissen war. An Segeln war nicht mehr zu denken. Stattdessen musste Epoxyharz und Kohlefasermatte besorgt und auf dem Parkplatz eine Behelfswerkstatt eingerichtet werden. Die italienischen Mannschaften halfen nach Kräften und telefonierten für uns die komplette Gegend nach den Materialien ab. Für alle anderen Boote hieß es dann tatsächlich auslaufen. Bei eher schlechten Bedingungen mit wenig Wind und Windfeldern sowie einem anziehenden Gewitter wurden zwei Läufe gesegelt. Die schwierigen Bedingungen führten dazu, dass in beiden Läufen jeweils ungefähr ein Viertel der Flotte nicht das Zeitlimit schaffte, da jeweils der Wind nach dem Zieldurchgang des Ersten stark nachließ. Lieder traf es auch die Crew der GER-89. An der Spitze stehen weiterhin polnische Mannschaften.

WM-Tagebuch Tag 3: Erste Wettfahrten

Am dritten Tag waren die ersten Wettfahrten eingeplant. Der Tag stand anfangs aber unter unguten Vorzeichen. Bei den Kontrollvermessungen wurde festgestellt, dass die komplette Segelserie der Focks des weltgrößten Segelherstellers mit dem weiß-blauen Logo zu groß geschnitten war und nicht in die Klassenregeln passte. Nahezu das komplette polnische Team stand ohne passende Vorsegel da. Es wurde lange und sehr kontrovers diskutiert, bis schließlich ein Kompromiss gefunden wurde. Die Segel dürfen benutzt werden, solange die Gesamtsegelfläche aus Groß und Fock eingehalten wird. Kaum war dieses Problem gelöst, zeigte sich, dass der Wasserstand des Sees so niedrig war, dass man mit einem an tiefster Stelle verplombten Kiel nicht mehr auslaufen konnte. Wieder kam es zu Besprechungen und Diskussionen, bis auch hier eine Lösung gefunden wurde. Inzwischen war es 15 Uhr und der Wind war weg. Wir wurden dennoch um 17 Uhr aufs Wasser geschickt und tatsächlich setzte sich dann ab 18 Uhr eine immer mehr zunehmende Brise durch, die teilweise dann 5 Bft erreichte. Es wurde dann noch zwei Wettfahrten durchgezogen, sodass wir erst um kurz vor 21 Uhr zerschlagen, ausgedörrt und von der Sonne verbrannt wieder im Hafen waren. Mit viel Glück fanden wir dann noch ein Restaurant und fielen gegen Mitternacht ins Bett. Die Ergebnisliste nach zwei Wettfahrten sieht altbekannt aus. Starke polnische Crews mit französischen und italienischen  „Einsprengseln“, im vorderen Bereich, dann ein relativ enges Mittelfeld. Wir haben zwei solide, wenn auch nicht geniale Wettfahrten gesegelt und liegen momentan auf dem 18. Platz. Die GER 89 hatte mit dem frischen Wind arg zu kämpfen und wird sicherlich ab morgen bei leichterem Wind ins Mittelfeld dazustoßen können.

WM-Tagebuch Tag 2: Eröffnungsfeier

Im Laufe des Tages kamen die letzten Teilnehmer an und wurden vermessen. An den Stegen füllten sich die Plätze mit den ins Wasser gekranten Schiffen. Es wurden Segel getestet und es herrschte ein stetiges Kommen und Gehen von Schiffen, die zu einem Probeschlag ausliefen. Von Training kann man allerdings kaum reden, weil es keinen beständigen Wind gab. Lediglich unter Land bestand eine Zone mit Thermikwinden, die es ermöglichten ein paar Probeschläge zu machen. Alles ist bestens organisiert. Die Liegeplätze sind mit Startnummer versehen, sodass man sich sicher sein kann, dass man auch seinen Platz wiederbekommt und die Organisatoren haben eine WhatsApp Gruppe eingerichtet, um alle Segler über wichtige Dinge zu informieren. Um 17.30h startete dann die Eröffnungsfeier. Hinter einer Brassband marschierten wir durch die Innenstadt zum Rathaus. Nach den üblichen Reden, wurde dann die WM von Manfred Bauendahl für eröffnet erklärt. Danach hatten wir die Möglichkeit die Weine der Region zu testen und bekamen eine Snacks gereicht. Für uns endete der Abend zusammen mit dem italienischen Team dann in einer Strandbar bei eiskalten Cocktails.

WM-Tagebuch Tag 1: Fahrt, Ankunft und Vermessung

Wie auch die letzten Male, werde ich (Francis + Crew) die kommende Woche jeden Tag eine kurzen Bericht von der Micro-WM in Tagebuchform schreiben. Unser diesjähriges WM-Abenteuer verlangte von uns einiges an Vorplanung. Während ich das Schiff mit in den Familienurlaub nahm, mussten Jan und Björn mit dem Billigflieger nach Bologna kommen und dann von mir mit Schiff am Haken beim Flughafen eingesammelt werden. An dieser Stelle meinen Dank an den Ruder und Segelclub Losheim, bei dem ich mein Schiff eine Woche parken durfte. In gemütlicher Fahrt startete ich in Luxemburg meine Anreise und erreicht nach einer Übernachtung am Brenner recht gut erholt Bologna. Auch das Einsammeln der Jungs klappte gut, sodass wir dann abends Castiglione di Lago erreichten. Uns erwartete eine nahezu perfekte Infrastruktur im Segelklub und ein tolles Appartment in der 2000 Jahre alten Altstadt. Dass Italien im Hochsommer herausfordernde Temperaturen hat, merkten wir schnell. Bei fast 40 Grad stand dann am nächsten Morgen die Vermessung an, die wir mit kleineren Problemchen (Ankerkette 10cm zu kurz) dann im Laufe des Tages hinter uns brachten. Wie immer bei WMs sind die ersten Tage die aufregendsten. Überall trifft man alte und neue Gesichter, die Schiffe werde ausgepackt und man kann viel Neues betrachten und es herrscht ein tolles Sprachgewirr. Es sind Crews aus Frankreich, Italien, Polen, Österreich, Slovakei, USA und Deutschland am Start. Für Deutschland starten die GER 89 und die GER222. Nach einem gemütlichen Abendessen mit Pizza und einheimischen Bier, ließen wir den Abend auf der Stadtmauer sitzend mit Livemusik ausklingen.

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