Klaus Wellmann segelt zuammen mit Volker Strehlow und Freddi Buess auf der Rubin, GER 22. Er erzählt ein wenig aus dem Leben einer Regattacrew auf Auswärtsregatta im Rheinland:

Einleitung: auf keinen Fall soll der der Eindruck von irgendwelcher Häme oder Spott entstehen – ganz im Gegenteil, dort wo Menschen arbeiten entstehen (auch ) Fehler und würde immer alles perfekt laufen, dann hätte man nichts Lustiges zu berichten…

Aber nun der Reihe nach. Ca. drei Wochen vorher war es noch unklar, ob die Regatta überhaupt stattfinden wird. Somit hatte ich die drei Einzelzimmer , unter dem Vorbehalt der kurzfristigen Stornierung gebucht. Im Endeffekt konnten doch 11 Boote von 11 motivierten Eignern vom Veranstalter gewonnen werden und die freundliche Aufnahme der Gäste im Club , nebst feiner Bewirtung sollte erwähnt werden. Während wir bei stickigen, schwülen 19 Grad Außentemperatur losgefahren waren, blies nun ein kalter Nordwind über den See. Das Aufrichten vom Mast am Steg war irgendwie unangenehm .

In der Nacht setzte der angekündigte Regen von Norden ein. Das Einchecken beim Hotel war schwierig. Anstelle der drei gebuchten und schriftlich bestätigen Einzelzimmer wurden wir auf ein Doppelzimmer und ein Einzelzimmer vertröstet. Gut, dann ist das eben so, was soll’s ? Kurz noch in der Apotheke Ohropax gekauft, man will sich ja nicht gegenseitig stören. Als wir gegen 23:00 auf das Zimmer kamen , lag ein geöffneter gelber Koffer auf dem Bett. Vom Inhalt her war dieser mit einem Blick einer Dame zuzuordnen. Was tun? Freddy meinte, dass der Koffer wohl vergessen worden sei und wollte diesen schon vor die Tür stellen. Schließlich habe ich den Koffer auf den Schrank gelegt, die Tür wurde abgeschlossen und das war‘ es für den Tag. Um ca. 2:00 nachts wurde ich von einem Lichtschein im Zimmer geweckt. Schlaftrunken nahm ich den Ohrstöpsel heraus und es kam zu folgendem Gespräch :

– Hallo, das ist unser Zimmer… > Nöö, das Zimmer haben wir von der Rezeption erhalten, das ist das Zimmer Nr. 4 – Ja, genau das haben wir auch. ( Hinweis zum Verstehen , also wurde ein Zweitschlüssel ausgegeben ) > Freddy wach auf, wir haben Besuch ! – Wo ist denn unser Koffer ? > Der liegt auf dem Schrank…und das Paar verschwand wieder in der Dunkelheit Wir mußten laut über die absurde Situation lachen. Beim Einschlafen dachte ich mir dann so, was hätte ich eigentlich gemacht, wenn das Paar die Polizei geholt hätte? Schriftlich hatte ich nur die Bestätigung über drei Einzelzimmer . Wir hingegen lagen im Doppelzimmer, d.h. formal also im falschen Zimmer. Alles keine guten Voraussetzungen für ein nächtliches Streitgespräch über das Anrecht eines Zimmers…. Am Morgen bei Frühstück wurden wir vom Keller gefragt, welche Zimmernummer wir hätten? Ich entgegnete ihm, dass ich dies auch gerne mal wissen möchte… Der Kellner war meine Geschichte von der Nacht fürchterlich peinlich, bzw. die Personen an den umliegenden Tischen hatten ihren Spaß. Als dann noch die Zimmernummer 5 vom Einzelzimmer erwähnt wurde, meinte der Herr am Nachbartisch, dies könne gar nicht nicht sein, die Nr. 5 sei doch das Zimmer der Tochter …. Okay, ich faßte mir an die Nase um mich wachzurütteln, denn ich kam mir vor , wie in einer schlechten Hollywood – Komödie. Volker , der nichts ahnend den Frühstücksraum betrat, konnte glaubhaft versichern, dass er die Nacht alleine verbracht hat. Es stellte sich dann heraus, dass die unbekannte Tochter das Zimmer Nr. 6 hatte.

Genug vom Chaos! Das Segeln den Tag war bei einem schönen Wind von 3 Beaufort interessant, aber kalt. Während in Wiesbaden es noch regnete ( die Wetterfront war nach Süden gezogen ), hatten wir es auf der Rückseite vom Tief mit klarer, kalter Luft zu tun, welche uns mit interessanten Böen übers Wasser trieb. Eine Wetterlage, wie im Lehrbuch. Vier Wettfahren wurden gemacht. Bei zwei Wettfahrten mußten wir ein Boot knapp hinter uns noch vorbei lassen. Einmal hat die Leine vom Barberholer die Umlenkrolle von der Fock blockiert, beim anderen Mal ließ sich der Spinnacker nicht einholten. Einschub: Für lautes Gelächter sorgte meine Automatikweste , die sich plötzlich am Steg , wie von Geisterhand geführt , von selbst aufblies. Ich stand da, wie ein Michelin-Reifenmännchen ! Zu Haus habe ich dann den Mechanismus untersucht und festgestellt, dass der Salzring angebrochen war, was jedoch die CO2 Patrone freigab. Gegen 17:30 kamen wir müde, aber doch happy vom Wasser. Der Sonntag begann mit herrlichem Wetter, jedoch eher windstill. Das war , wieder wie im Lehrbuch, zu erwarten und auch angekündigt worden, denn die Kaltfront als Störausläufer hatte sich in d Nacht „abgeschwächt“ . Sonntag: Startbereitschaft am 11: 00. Allgemeines Herumdümpeln auf den Wasser – wer kennt das nicht ?. Eine kurze Wettfahrt wurde dennoch gestartet, die Zweite wurde vor der ersten Tonne abgeschossen. Niemand hat dies bedauert. Bei der Siegerehrung gab es kleine „Unstimmigkeiten“ in der Wertung. Darauf zog sich die Wettkampfleitung zur Beratung zurück. Die Zwischenzeit wurde von Francis Marx genutzt, um die Anwesenden zu befragen, ob die Protos der Klasse nun auch mit zwei (anstelle von drei) Personen im Jahr 2022 probeweise gesegelt werden dürfen. Der Vorschlag wurde angenommen, weil es gilt möglichst viele Boote zu den vers. Regatten als Teilnehmer zu bekommen. Eine Person mehr oder weniger …es kommt auf einen Versuch an. Gewonnen haben schlussendlich Francis Marx, Björn Brennscheidt und Jan Roszak mit 7 Punkten, wir lagen mit 38 Punkten auf Rang 7.

Klaus Wellmann

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